Urban`s 11
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Urban’s 11: Die RS11 BX3 Selektion
I. Das Fundament: Vom Standard zur eigenen Selektion
Als wir den originalen Cut von Deo Farms / Wizard Trees das erste Mal akquiriert haben, lag unser Fokus sofort auf der genetischen Performance. Die Frage war: Hält die Genetik, was der Ruf verspricht, wenn man sie unter strengen, kontrollierten Bedingungen laufen lässt? Die RS11 hat diese Prüfung bestanden. Sie hat uns überzeugt. Doch für uns war das nur der Anfang. Wir wollten den RS11-Standard nehmen und ihm unseren eigenen Touch verleihen, um die Performance zu festigen und das Terpen-Profil noch weiter zu spezifizieren. So entstand die Urban’s 11 – unsere eigene Interpretation des Standards, fest verankert in unserer Core Line.
II. Genetik & Philosophie: BX3, Terpen-Fokus & genetische Ehrlichkeit
Die Basis ist der RS11 (P1 – Deo Farms Cut). Wir haben diesen mit unserer Sour Tropicanna (P2 – Oni Seeds), die seit Herbst 2019 in unserem Besitz ist, gekreuzt. Der Weg zur Urban’s 11 war ein akribischer Prozess der Rückkreuzung (Backcrossing).
Um das genetische Rückgrat zu festigen, haben wir drei Generationen lang gezielt zurückgekreuzt (BX1, BX2, BX3). Der Prozess war dabei immer gleich: Für jede dieser drei Generationen haben wir jeweils 100 Seeds des aktuellen Crosses angesetzt. Aus diesen 100 Pflanzen wurde nur der eine Phänotyp selektiert, der das Zielbild am präzisesten abgebildet hat. Dieser wurde dann wieder mit der P1 (RS11) bestäubt. Dieser Aufwand war notwendig, um den Charakter der RS11 zu bewahren, während wir die komplexen Noten der Sour Tropicanna integriert haben.
Der Ansatz: Wir müssen hier ehrlich sein: Wenn man den Fokus radikal auf das Terpen-Profil legt, verschärft man die Selektionsbedingungen. Die RS11 bringt in ihrer Reinform genetisch bedingte Schwächen mit. Wenn man nun gezielt auf das Z-Gas-Profil selektiert, treten diese Schwächen – strukturell oder metabolisch – oft deutlicher in den Vordergrund, als wenn man auf andere Parameter züchten würde.
Die Urban’s 11 ist daher als Polyhybrid konzipiert. Wir lassen bewusst eine gewisse Streuung bei den Nachkommen zu. Wir setzen auf den Erhalt der biologischen Vitalität (Vigor), um diesen genetischen Schwächen der Ausgangslinie entgegenzuwirken. Wir nehmen die phänotypische Varianz in Kauf, um sicherzustellen, dass die Sorte "lebt" und performt, anstatt in eine Inzucht-Sackgasse zu laufen, in der zwar das Aroma stimmt, aber die strukturelle Integrität der Pflanze kollabiert.
III. Phänotypen & optische Charakteristik
Die Optik der Urban’s 11 ist variabel und spiegelt die genetische Tiefe wider. Wir beobachten drei Hauptausprägungen:
- Der Standard-Phänotyp: Die Mehrheit zeigt grüne Blüten mit dunkel gefärbten Spitzen an den Calyxen, begleitet von überwiegend dunklem Blattwerk.
- Der Sour-Trop-dominante Phänotyp: Diese Pflanzen sind komplett dunkel gefärbt, was direkt auf den stärkeren Einfluss der Sour Tropicanna zurückzuführen ist.
- Der Grüne Phänotyp: Einige Pflanzen bleiben vollständig grün und bilden eher hellere, klassische Z-Gas-Terpen-Profile aus.
Diese phänotypische Vielfalt ist kein Zufall, sondern Teil des Selektionsprozesses, um die gesamte Bandbreite der Genetik abzubilden.
IV. Terpen-Profil: Z-Gas fusioniert mit Orange Pastry Diesel
Das Aroma der Urban’s 11 ist eine klare, unmissverständliche Linie. Hier wird nicht gewürfelt, sondern gezielt ein Profil aufgebaut: Es ist Z-Gas fusioniert mit Orange Pastry Diesel.
- Die RS11 bildet das Fundament. Das ist der Körper des Aromas.
- Dort, wo der Einfluss der Sour Tropicanna (Oni Seeds) durchkommt, verstärken die Orange-Diesel-Noten das ursprüngliche Profil subtil, aber wirkungsvoll: Die tropischen Z-Gas-Terpene erhalten eine nuancierte Note von überreifer Orange. Dazu gesellt sich eine kräftige, trockene Diesel-Basis, die das Profil "schwer" und gehaltvoll macht. Es ist ein sehr präsent ausgesteuertes Terpen-Spektrum, das die Nase sofort fordert.
V. Anbau-Insights: Warum fortgeschrittene Skills Pflicht sind
Wir müssen hier Tacheles reden: Die Urban’s 11 ist keine Sorte für Anfänger. Wer glaubt, mit einem Standard-Düngeschema und gelegentlichem Blick in die Box ans Ziel zu kommen, wird bei dieser Genetik scheitern.
- Pflanzenlesen als Voraussetzung: Du musst über fortgeschrittene Skills verfügen, um diese Genetik zu lesen. Die Urban’s 11 kommuniziert ihren Stress sehr subtil. Du musst die Farbe der Blätter, die Standfestigkeit der Stiele und das Verhalten der Stigmen im Kontext des Klimas deuten können, bevor die Pflanze reagiert.
- Stabilität: Das Klima muss konstant gehalten werden. Schwankungen in der VPD (Vapour Pressure Deficit) steckt sie nicht weg – sie quittiert Instabilität sofort mit vermindertem Wachstum oder einer Stagnation in der Terpenbildung.
- Licht-Management: Sie reagiert sehr sensibel auf zu hohe Lichtintensität (PPFD). Wer hier "voll draufhält", bekommt keine kompakteren Buds, sondern gestresste Pflanzen, die ihre Energie in den Überlebensmodus schalten, anstatt in die Terpen-Produktion. Der Schlüssel liegt in der perfekten Balance zwischen Lichtmenge und den klimatischen Bedingungen.
- Blütezeit: Die 10 bis 11 Wochen sind bei diesem BX3-Cut absolut notwendig. Die Pflanze benötigt diese Zeit, um die komplexe Terpen-Matrix – besonders die Diesel- und Orange-Noten – bis zur Reife auszubilden. Zu frühes Ernten bedeutet, genau dieses aromatische Profil zu verschenken.
VI. Fazit
Die Urban’s 11 ist für uns die aus unserer Sicht extrem harmonische Weiterentwicklung der RS11. Durch den BX3-Prozess und die gezielte Fusion mit der Sour Tropicanna haben wir ein Profil geschaffen, das Z-Gas und Orange-Pastry-Diesel auf eine neue Stufe hebt. Sie ist eine Sorte für erfahrene Grower, die genau wissen, wie sie mit einer anspruchsvollen Genetik umgehen müssen, um das Beste herauszuholen. Sie ist ein Werkzeug für Züchter und Grower, die keine Kompromisse bei der Qualität eingehen wollen.